Mittwoch, 14. Oktober 2015

Potosi


Am frühen Morgen fuhren wir mit ein paar anderen Freiwillen mit dem Taxi zum Busbahnhof in Sucre. Gegen sieben Uhr fuhr der Fernbus ab und die dreistündige Fahrt nach Potosi begann. In Potosi angekommen schlug uns eine eisige Luft entgegen, die dadurch bedingt war, dass an diesem Tag der Himmel leider bedeckt war und somit die wärmende Sonne fehlte. Da der Busbahnhof der Stadt ein gutes Stück vom Zentrum entfernt ist stiegen wir, nach Befragung einiger Passanten, in die Micro Richtung Zentrum. Dort machten wir uns zunächst auf die Suche nach einem Hostel und wurden auch relativ schnell fündig. Anschließend suchten wir nach Agenturen die Führungen durch die berühmten Mienen von Potosi anboten und entschieden uns für eine, die von Mienenarbeitern selbst geführt wurde und nicht von den üblichen Touristenguides. Im Büro wurde uns dann alles Wissenswerte zur Mienentour erklärt. Da wir noch ein bisschen Zeit hatten bis die Tour begann suchten wir uns ein Restaurant zum Mittagessen. Gestärkt fuhren wir mit unserem Guide zunächst zum Markt der Mienenarbeiter. Dort gibt es alles was man für die Arbeit in den Mienen benötigt: Helme, Lampen, Arbeitskleidung, Getränke, Kokablätter und auch Dynamitstangen (Dieser Markt ist auch der einzige Ort in Bolivien an dem man keine gesetzliche Erlaubnis braucht um Dynamit zu kaufen). Der Guide bat uns ein bisschen Koka und ein paar Getränke als Geschenke für die "Mineros" zu kaufen. 

Anschließend fuhren wird ein bisschen weiter Richtung "Cerro Rico" und wurden in einem kleinen, unscheinbaren Gebäude mit Helm, Lampe, Schutzkleidung und Gummistiefeln ausgerüstet. Bevor wir jedoch zu den Mienen fuhren besuchten wir zunächst eine Aufbereitungsanlange in der die wertvollen Metalle aus dem Gestein gelöst werden. Dann ging es endlich zum "Cerro Rico", der einst die Staatskasse Spaniens mit seinem Silber regelrecht überschwemmt hatte. Dort angekommen ist von Reichtum allerdings keine Spur. Man blickt auf einfache Hütten und am Boden leuchten Pfützen in grellen Farben. Wir gehen ein paar Meter und stehen vor einem der vielen Einstiege in den Berg. Die Lampen werden ein geschaltet und los geht es. Auf dem Boden stehen ein paar Zentimeter Wasser, die Gänge winden sich, werden mal breiter, mal schmaler, mal höher mal niedriger. Man leuchtet immer wieder mit den Lampen in abzweigende Gänge und fragt sich wo diese hinführen und hofft, dass unser Guide gut mit der Mine vertraut ist. Bei unserer ersten Pause wird uns erklärt, dass ein neuer "Minero" zunächst fünf Jahre für eine der vielen, kleinen Organisationen arbeiten muss bevor er als freier "Minero" für sich selbst das Glück in der Miene suchen darf. Außerdem erfahren wir, dass einige "Mineros" auch mehrere Tage in der Miene verbringen. Wir gehen ein gutes Stück weiter, bis wir zu einer etwas wackeligen Holzleiter kommen, die wir dann auch erklimmen und feststellen müssen, dass uns direkt danach noch zwei weitere bevorstehen. Oben angekommen gehen wir noch ein paar Schritte und sind an DER Sehenswürdigkeit der Miene angekommen, dem "Tio", der Schutzpatron der Mienenarbeiter, dem diese regelmäßig Kokablätter, Zigaretten und Alkohol opfern. Auch unser Guide schüttet etwas von seinem 96 prozentigen Alkohol auf die Statue, deren Aussehen stark an einen Teufel erinnert und nimmt dann selbst ein paar ordentliche Schlucke. Er erzählt uns noch einiges von den "Mineros" und deren Arbeit und von dem Mythos, dass man mit dem einstigen Silber des Cerro Ricos eine Brücke von Südamerika nach Europa hätte bauen können. Wir gehen weiter. Man sieht glitzerndes Gestein, Mineralien in allen möglichen Farben und die Gänge werden kleiner und kleiner und kleiner. Zusammengefaltet läuft man durch die niedrigen Gänge und geht vorsichtig durch die tiefen und rutschigen Pfützen, bis auf einmal wieder ein bisschen Tageslicht durch die Gänge schimmert. Noch ein paar Meter und wir sind wieder draußen. Man streckt sich erst einmal aus, Atmet die frische Luft ein und braucht einen Moment bis man begreift, dass man wieder in der normalen, in unserer Welt ist. 
 
Die Tour in den Mienen hat ca. 2,5 Stunden gedauert. Doch die Atmosphäre lässt sich nur schwer in Worte fassen. Wir fuhren ein Stück bergab, gaben unsere Ausrüstung zurück und wurden wieder ins Zentrum der Stadt gefahren. Nach einer kleine Pause in unserer Unterkunft gingen wir noch in eine der Pizzerien zum Abendessen. Und so endete unser erster Tag in Potosi.
Am Sonntag fuhren wir zum "Ojo del Inca". Das ist ein kleiner, runder See mit ca. 30°C Wassertemperatur. In ihm lässt sich wunderbar Baden. Aber es ist sehr wichtig sich mit Sonnencreme einzucremen und rechtzeitig in den Schatten zu gehen. Das haben wir nämlich nicht gemacht und die Rechnung in Form eines intesiven Sonnenbrands bekommen. 

Natürliche Pfütze?


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